Jobs in der Fahrradbranche

Frau mit orangener Wollmütze schaut mit einem Auge durch einen Tretlagerschlüssel. Links ein rotes Damenrad, im Hintergrund unscharf eine Werkzeugwand

Deutschland ist (auf dem Weg zum) Fahrradland

Radfahren ist praktizierter Klimaschutz, ist sanfter Verkehr in Städten, vermindert Verkehrslärm und Luftverschmutzung, erhöht die Verkehrssicherheit, macht Straßen sicherer für Kinder. Nicht zuletzt hält es fit und fördert die Gesundheit. Egal ob im Alltag beim Pendeln und Einkaufen, in der Freizeit auf dem Rennrad oder Gravelbike oder im Urlaub und bei Wochenendausflügen.

Es lohnt sich, das Thema „Fahrrad“ auch aus Jobperspektive anzuschauen. Schließlich waren nach Angaben des Branchenverbandes „Zukunft Fahrrad“ im Jahr 2022 inklusive des Fahrradtourismus mehr als 325.000 Beschäftigte für die Fahrradbranche tätig und der gesamte steuerbare Umsatz lag bei fast 45 Milliarden Euro.

Der Fahrradbestand in Deutschland lag nach Angaben des Zweirad-Industrie Verbands (ZIV) im Jahr 2021 bei 81 Millionen, durchschnittlich besitzt also fast jede:r Einwohner:in Deutschlands ein Fahrrad. Im Jahr 2021 wurden in Deutschland fast 5 Millionen Fahrräder verkauft. In Deutschland hergestellt wurden knapp 2,4 Millionen Räder, wobei knapp 1,6 Millionen exportiert wurden. Damit wird deutlich, dass sowohl die Entwicklung & Montage von Fahrrädern als auch die Wartung der Räder in Werkstätten einen großen Arbeitsmarkt darstellt.

Viele Arbeitgeber bieten inzwischen Fahrradleasing-Modelle an. Könnte das Fahrrad aber auch eine Karriereperspektive sein? Was wäre, wenn man seine ganze Arbeitskraft für den Drahtesel einsetzen würden?

Welche Karriereperspektiven gibt es in der Fahrradbranche?

Bereits als Schüler:in kann man in manchen Fahrradläden in der Werkstatt aushelfen und ausprobieren, wie groß die eigene Begeisterung für Fahrräder ist wenn man sie nicht fährt. Während des Studiums probieren sich Fahrradverrückte als Fahrradkurier:in aus und verbinden die Passion für urbane muskelbetriebene Mobilität mit dem Geldverdienen. Angestelltenverhältnisse sind hier die Ausnahme, die allermeisten Bike-Messenger:innen fahren als Selbstständige, die ihre Aufträge von den Vermittlungszentralen bekommen.

Was die Herstellung von Rädern angeht, werden die allermeisten Fahrradrahmen seit den 1970er/80er Jahren in Asien gefertigt. Design, Entwicklung und Montage findet aber durchaus noch in Deutschland statt. Produktion von Rahmen in Deutschland gibt es eigentlich nur noch in kleinen Werkstätten für Individualanfertigungen.

Auch die Komponenten wie Antrieb und Schaltung sowie Bremsanlagen werden nahezu vollständig von drei großen nicht-deutschen Herstellern abgedeckt: Shimano, SRAM und Campagnolo. Während der japanische Marke Shimano mit rd. 80% Marktanteil unangefochtener Marktführer ist, hat SRAM teilweise deutsche Wurzeln: Ende der 1990er Jahre übernahm die US-amerikanische Firma die traditionsreiche Fahrradsparte von Sachs, die jahrzehntelang Standards in Sachen Nabenschaltungen setzte. SRAM produzierte dann die Nabenschaltungen noch lange in Deutschland. (Heute baut SRAM jedoch keine Nabenschaltungen mehr.) Der italienische Hersteller Campagnolo gilt insbesondere im Rennradsport immer noch als Edel-Standard.

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Welche Arbeitgeber gibt es in Deutschland in der Fahrradbranche?

Aber auch in Deutschland werden noch Fahrradkomponenten produziert, die im Markt weit verbreitet und wegen ihrer einzigartigen Qualität geschätzt sind. Die Baden-Württembergische Firma Magura ist seit langem führend im Bereich der hydraulischen Bremssystemen fürs Fahrrad und produziert in Bad Urach bei Reutlingen. Ebenfalls hoch angesehen ist die Rohloff-Schaltnabe, die in Hessen entwickelt und produziert wird. Wegen der hohen Qualität und eines entsprechenden Preises ist die Rohloff-Speedhub aber nur selten an Rädern unter 2.000€ zu finden. Einen Preissprung weiter findet man die am Tretlager sitzende Schaltung von Pinion. Entwickelt aus dem Dunstkreis von Porsche ist das Preisniveau ebenfalls auf Porsche-Niveau, technisch aber ein Meisterwerk. Auch Pinion entwickelt in Baden-Württemberg in der Nähe von Stuttgart, für die Produktion der Einzelteile setzen sie auf ein regionales Netzwerk an mittelständischen Unternehmen.

Entscheidende Komponenten für E-Bikes kommen ebenfalls von deutschen Firmen: Bekannte Namen für Antriebe sind Bosch und Brose. Während Brose an seinem Berliner Standort entwickelt, testet und produziert ist Bosch eBike Systems inzwischen von seinem Standort in der Nähe von Stuttgart nach Asien und Nordamerika gewachsen.

Während also die tatsächliche Produktion von Fahrradrahmen und Komponenten von den genannten Ausnahmen hauptsächlich in Asien erfolgt, gibt es in Deutschland zahlreiche Firmen, die Fahrräder konzipieren, teilweise in Deutschland montieren und natürlich vermarkten und vertreiben. Marken, die auch immer wieder im Alltag zu sehen sind und sehr wahrscheinlich in Deutschland entwickelt und montiert wurden, sind z.B. Kalkhoff (Cloppenburg) als größtem Fahrradhersteller Deutschlands mit den Marken Kalkhoff, Focus u.a., Winora-Staiger (Sennfeld, Bayern), Stevens (Hamburg), Riese & Müller (Mühltal, Hessen), Cube (Waldershof, Bayern), BBF (bei Berlin) mit den Marken BBF und Checker Pig, Corratec (Raubling, Bayern), Bergamont (Hamburg) sowie Puky (Wülfrath bei Düsseldorf) für Kinderräder. Auch Rose (Bocholt) und Canyon (Koblenz) wollen wir nicht vergessen, beide sind eher im sehr sportlichen Bereich zu Hause, Canyon-Räder sieht man auch bei den großen Radrennen wie Tour de France und Giro d'Italia.

Ende des Jahres 2022 erschütterte die Insolvenz der Prophete GmbH u. Co. KG mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück die deutsche Fahrradbranche. Während die Marke Prophete für preisgünstige Räder bekannt ist, hatten auch andere bekannte deutsche Fahrradmarken unter dem Dach von Prophete ein zu Hause gefunden: Zu nennen sind hier die VSF Fahrradmanufaktur (mit Wurzeln in Bremen), die insbesondere für Reise- und Trekkingräder sowie Stadträder bekannt sind, und die Traditionsmarke Rabeneick. Inzwischen wurde Prophete von einem Investor aus Singapur übernommen, der im März 2023 versprach, Standorte und Jobs zu erhalten.

Mifa und Diamant bedienten in der DDR den ostdeutschen Fahrradmarkt. Während Mifa aus Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) schon zu DDR-Zeiten für eher mindere Qualität bekannt war und nach der Wende eine von mehreren Insolvenzen geprägte Firmengeschichte schrieb, konnte sich Diamant aus Hartmannsdorf (bei Chemnitz) besser behaupten. Aber auch Diamant ist nicht mehr selbstständig und gehört heute zur US-amerikanischen Trek-Gruppe, die in den letzten Jahrzehnten zahlreiche namhafte Fahrradmarken übernommen hat.

Kleinere Firmen, die aber trotzdem nicht weniger interessant sind, sind in Berlin z.B. Schindelhauer, Pioniere des Riemenantriebs bei Fahrrädern (übrigens auch von Bundeskanzler Olaf Scholz gefahren) sowie Standert und 8bar-Bikes, die beiden letztgenannten machen sich auch für die Förderung der lokalen Rennrad-Szene verdient. Oder die Kieler Firma MyBoo, die Fahrräder aus Bambus bauen (lassen). Unter Nachhaltigkeitsaspekten durchaus ein interessanter Ansatz. Nicht nur unter ökologischen Gesichtspunkten als auch unter sozialen, da die Rahmen unter fairen Arbeitsbedingungen in Ghana hergestellt werden. Außerdem werden Bildungsprojekte in Ghana unterstützt.

In der Fahrradbranche in Deutschland werden daher vor allem gesucht:

  • Logistikexpert:innen,
  • Marketingfachleute,
  • Vertriebsmenschen,
  • Zweiradmechaniker:innen,
  • Ingenieur:innen für die Entwicklung.

Bessere Fahrradinfrastruktur für die Mobilitäts- und Verkehrswende

Neben Jobs in der Fahrradindustrie und Fahrradhandel gibt es natürlich noch andere Jobs rund ums Rad. Denn die Mobilitätswende nimmt zunehmend Fahrt auf und immer mehr Städte und Gemeinden verabschieden sich von der autozentrierten Verkehrsplanung der letzten Jahrzehnte. Inzwischen zählen nicht mehr nur verkehrsberuhigte Bereiche und Tempo-30-Zonen zum Instrumentenkasten der Verkehrsplanung, sondern auch neben autofreien Wohngebieten auch baulich getrennte Radverkehrsanlagen (protected bike lanes) oder auch Pop-up Bikelanes, die während der Coronapandemie in einigen deutschen Großstädten zuerst temporär Fahrradinfrastruktur geschaffen wurde.

Auch immer mehr Einwohner:innen in städtischen Räumen verzichten auf ein eigenes Auto. Die Gründe sind vielfältig und wirken oft auch in Kombination: immer bessere Angebote beim ÖPNV und Fahrradinfrastruktur, der Wunsch zu sichereren Verkehrsräumen beizutragen, der unschlagbare Preisvorteil bei einer fuß- und fahrradbasierten Mobilität, mehr Bewegung, die Einschränkungen durch Parkplatzsuche und Im-Stau-Stehen, das Bedürfnis, sich möglichst umweltfreundlich zu verhalten. Idealerweise sollte die Wahl des Transportmittels Fahrrad (in Kombination mit Fuß- und ÖPNV-Verkehr getroffen werden, weil es einfach die bequemste Möglichkeit ist. Dies zu erreichen, ist Ziel einer modernen und nachhaltigen Verkehrsplanung.

Auch die Klimaschutzzeile für den Verkehrssektor können nicht allein durch das Verdrängen des Verbrennungsmotors in KFZ erreicht werden. Konzepte für autoarme und fahrradfreundliche Städte werden in den Kommunen z.B. entwickelt von:

  • Verkehrsplaner:innen
  • Geograf:innen
  • Verkehrsingenieur:innen

Auch Verbände wie der ADFC und der VCD treiben die Entwicklung hin zu fuß- und fahrradfreundlicher Verkehrsinfrastruktur voran.

Nicht zuletzt zeigen Studien, dass fahrradfreundliche Innenstädte auch dem lokalen Handel zu Gute kommen. Umsätze von Geschäften steigen, wenn diese gut mit dem Fahrrad erreichbar sind und dass Gastronomie besser funktioniert, wenn diese nicht an einer lauten und stark befahrenenen Autostraße liegt ist auch einleuchtend. Das Fahrrad bietet also nicht nur direkt Jobperspektiven, es führt auch zu besseren Geschäftsaussichten des Einzelhandels und der Gastronomie und damit wieder mehr „Stadt der kurzen Wege“, die wiederum den Fahrradverkehr attraktiv macht.

weitere Infos

Studien

Jobs in der Fahrradbranche

Übersicht "Fahrradberufe" des VSF

Jobs bei einzelnen Unternehmen:

Viele der genannten Firmen bieten auch Azubistellen im Fahrradbereich an.

Podcasts

  • #bikes4future: Der Podcast für den Fahr­rad­fachhandel erlaubt auch branchen­fremden Menschen interessante Einblicke in die Fahrrad­wirtschaft. Regel­mäßig beleuchtet der Podcast auch die Kon­junk­tur­aussichten der Fahrrad­branche.
  • Die wundersame Fahrradwelt von und mit Johanna Jahnke. Johanna schaut auf die Themen Nach­haltig­keit, Gravel, (extreme) Lang­strecke und Bike­packing.