Nachhaltiger Tourismus – eine Branche im Wandel

Fahrradfahrer:in auf Gravelbike mit Packtaschen fährt auf Forstweg durch lichten Kiefern- & Fichtenwald. Im Vordergrund Heide.

Die Nachhaltigkeitsdebatte im Tourismussektor

Das Thema Nachhaltigkeit hat mittlerweile auch die Tourismusbranche vollends erreicht. Im Zuge der andauernden Nachhaltigkeitsdebatten ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen dem Schutz der (sozialen und ökologischen) Umwelt und der Art wie Tourismus angeboten und entwickelt werden soll.

Nicht ohne Grund nimmt die Nachhaltigkeitsdebatte im Tourismussektor einen immer größeren Raum ein. So ist er doch gleichzeitig Verursacher und Leitragender von Umweltzerstörung. In der Folgenden Grafik zeigt sich, dass touristische Aktivitäten vielfältige Einflüsse auf verschiedene Umweltfaktoren ausüben können. Gleichzeitig haben die Klimakrise und Wetterereignisse einen offensichtlichen Einfluss auf das Angebot einer touristischen Sommer- oder Wintersaison und deren Planbarkeit.

Tabelle: Umweltauswirkungen touristischer Aktivitäten: Schwere der Umweltauswirkungen verschiedener touristischer Aktivitäten anhand umweltrelevanter Faktoren. Quelle: Umwelt und Tourismus - Daten, Fakten, Perspektiven (Umweltbundsamt, 2002)
  An- und Abreise Beherbergung Gastronomie Freizeitaktivitäten Reisevor- und -nachbereitung
Promärenergieverbrauch +++ ++ + +  
Treibhauseffekt +++ ++ + +  
Biodiversität + + + +++  
Fläschenverbrauch ++ +++ + +  
Abfallaufkommen   ++ ++   +
Wasserverbrauch   ++ + +  
Gewässerbelastung   ++ +    

Herausforderungen für den Nachhaltigen Tourismus

Als Konsequenz sollen neue von der Politik und der Zivilgesellschaft vorangetragene Zielsetzungen, welche maßgeblich durch die UN Weltorganisation für Tourismus in den 1990er Jahren beschlossen wurden, die Natur vor der touristischen Nutzung schützen und sie gleichzeitig für touristische Zwecke erhalten. Nachhaltiger Tourismus umfasst hierbei alle Formen des klassischen Tourismus und ergänzt diese um einen erweiterten Fokus, in dem die ökologische, ökonomische und soziale Dimension mitbedacht werden.

Aber auch Bürger:innen fordern, dass Tourismus im Einklang mit einem verantwortungsvollen Umgang mit ökologischen und sozialen Ressourcen möglich sein soll. So geben knapp 50% der Bevölkerung an, dass ihnen ökologische und 64%, dass ihnen soziale Nachhaltigkeit beim Reisen wichtig ist und auch die Tourismusbranche sieht Ökotourismus als eines der wichtigsten Zukunftsfelder beim Reisen. Nachhaltiger Tourismus stellt sowohl für Verbraucher:innen als auch den Tourismussektor und die Politik eine bedeutsame Branche dar. Dennoch herrscht bisweilen Unklarheit darüber, was die Definition von nachhaltigen Tourismus umfasst, welche Ziele dieser verfolgt und welche Möglichkeiten es gibt, einen Job im nachhaltigen Tourismus zu finden.

In diesem Beitrag möchten wir Antworten auf diese Fragen geben und aufzeigen, wie Sie mit einem Job im Ökotourismus sogar dazu beitragen können den Naturschutz aktiv zu fördern.

Definition nachhaltiger Tourismus

Im Feld des nachhaltigen Tourismus existieren viele Bezeichnungen wie sanfter Tourismus, alternativer Tourismus, verantwortungsvoller Tourismus oder auch Naturtourismus.Der umfassendste und zugleich verbreitetste Ansatz wird jedoch unter dem Begriff Ökotourismus verhandelt. Ökotourismus ist eine Form des Tourismus, bei der der Schutz der Umwelt und der Erhalt der ökologischen und sozialen Ressourcen im Mittelpunkt stehen. Im Gegensatz zum Massentourismus, der oft mit einer hohen Umweltbelastung und einer Übernutzung der Ressourcen verbunden ist, zielt der Ökotourismus darauf ab, eine nachhaltige Art des Reisens anzubieten, bei der der Schutz der Umwelt und die Förderung der lokalen Gemeinschaften im Vordergrund stehen. Der Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Tourismusbranche kann dabei nicht nur den Schutz der natürlichen Ressourcen fördern, sondern auch die regionale Entwicklung stärken. Naturschutz und Regionalentwicklung sind also, neben den klassischen tourismusrelevanten Jobs potentielle Berufsfelder für eine Karriere im Ökotourismus.

Eine Möglichkeit, wie Ökotourismus die Regionalentwicklung stärken kann, besteht darin, dass er den lokalen Gemeinschaften neue Einkommensquellen bietet. Durch die Förderung von ökologisch und sozial verantwortlichen Tourismusprojekten können die Gemeinden von den Einnahmen aus dem Tourismus profitieren. Dies kann dazu beitragen, lokale Wirtschaftszweige wie Landwirtschaft, Handwerk oder Gastronomie zu stärken und zu diversifizieren. Auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Tourismusbranche kann dazu beitragen, die wirtschaftliche Entwicklung der Region zu fördern.

Darüber hinaus bietet Ökotourismus auch Chancen für den Naturschutz. Da die Attraktivität von ökologisch sensiblen Gebieten oft von ihrer unberührten Natur und Artenvielfalt abhängt, sind Tourismusprojekte, die sich auf Umweltschutz konzentrieren, oft auf den Schutz dieser Ressourcen angewiesen. Durch den Schutz der Umwelt kann der Tourismus in der Region nachhaltiger gestaltet werden. Durch die Förderung von umweltfreundlichem Verhalten und Reisen bei den Tourist:innen bietet auch die Umweltbildung spannende Berufsaussichten im nachhaltigen Tourismus.

Ganz praktisch lässt sich dies an einem Fallbeispiel eines potenziellen Kupferbergbauprojektes in der Region Intag in Ecuador illustrieren. Hier soll entgegen der Interessen der lokalen Bevölkerung ein artenreicher Nebelwald zerstört und Mineralien abgebaut werden. Logischerweise spielen wirtschaftliche Interessen eine große Rolle in diesem Konflikt. Eine mögliche Alternative zum Bergbau, welche in diesem Falle auch von regionalen Aktivist:innen vertreten wird, ist die ökologisch reizvolle und spannende Region auf den Ökotourismus auszurichten und darüber hinaus die Produktion und den Verkauf von lokalen Produkten zu fördern. Somit würde die Regionalentwicklung gestärkt werden und der Naturschutz wäre sowohl im ökologischen wie auch ökonomischen Sinne erstrebenswert. Die touristische Wertschöpfung könnte in einem solchen Szenario also zum Schutzgebietsmanagement und der Regionalentwicklung gleichermaßen beitragen.

Jobs im Ökotourismus

Die Tourismusbranche steht vor der großen Herausforderung sich einerseits strategisch an neue klimatische Bedingungen anzupassen, den Schutz der Umwelt und somit ihre Existenzgrundlage zu sichern und attraktive Angebote für Tourist:innen zu schaffen.

In diesem Spannungsfeld ergeben sich eine Reihe von Jobs, die z.B. Fachkräfte aus der Tourismuspolitik ebenso wie der nach außen und innen gewandten Umweltbildung, strategischen und kreativen Beratung, Forschung, Regionalentwicklung, nachhaltigem Tourismusmanagement und Infrastruktur und vielen weiteren Bereichen ansprechen.

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Dies sind einige der möglichen Berufsfelder im Ökotourismus:

  1. Ranger: Als Ranger kümmern Sie sich um den Schutz und die Erhaltung von Naturschutzgebieten und Nationalparks. Sie sind für die Überwachung des Geländes und der Tiere verantwortlich, leiten Wandergruppen und informieren Besucher:innen über die Umwelt und deren Schutz. So sind sie auch häufig für Umweltbildungsangebote zuständig, sie sensibilisieren Besucher:innen für Nachhaltigkeit und leiten als Referent:innen Workshops zum Naturschutz. Die Arbeit als Park Ranger erfordert oft eine Qualifizierung im Bereich Pädagogik oder Umweltwissenschaften.
  2. Nachhaltigkeitsmanagement: Als Nachhaltigkeitsbeauftragte können Sie die Umsetzung von ökologischen Standards in Hotels, Nationalparks und anderen Tourismusprojekten überwachen und beraten. Sie sind verantwortlich für die Einführung von Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen, einschließlich der Reduzierung von Abfall, der Energieeffizienz und der der Verwendung von umweltfreundlichen Materialien. Des Weiteren können Sie in der Verwaltung die touristische Infrastruktur einer Region oder eines Projektes gestalten und an der Weiterentwicklung der selbigen mitwirken.
  3. Tourismuspolitik: In der Tourismuspolitik können Sie die Weichen für einen nachhaltigen Tourismus stellen. Neben der europäischen Tourismuspolitik werden auch auf der nationalen Ebene entsprechende Strategien erarbeitet. Hier können Sie an Maßnahmen und Zielsetzungen arbeiten, um einen nachhaltigen, klimafreundlichen und sozialen Tourismussektor in Deutschland zu schaffen. 2023 wurde eigens hierzu die Plattform „Zukunft des Tourismus“ geschaffen.
  4. Forschung: Als Forscher:in im Bereich Ökotourismus können Sie Studien und Forschungsprojekte durchführen, um die Auswirkungen von Ökotourismus auf die Umwelt und die lokale Wirtschaft zu untersuchen. Dabei geht es um die Bewertung von Umweltauswirkungen, die Identifizierung von Best Practices und die Bewertung der sozioökonomischen Vorteile von Ökotourismus.

Welche Akteure gibt es im nachhaltigen Tourismus?

Verschiedene Anbieter und Verbände bieten grüne Formen von Tourismus an und orientieren sich dabei an eigenen oder extern zertifizierten Kriterien der Nachhaltigkeit. Einige Beispiele hierfür sind:

Viabono ist ein Trägerverein, der insgesamt 16 nationale Verbände bündelt und nachhaltigen Tourismus in Deutschland fördern soll. Viabono bietet sowohl eigene Umweltzertifizierungen wie auch die Konzeption und Durchführung externer Zertifizierungen an.

Forum anders reisen ist ein Zusammenschluss verschiedener Reiseunternehmen, die nachhaltige Reisen anbieten. Die Mitglieder des Verbandes orientieren sich hierbei anhand eines Kriterienkatalogs welcher soziale und umweltrelevante Faktoren fasst. So werden Reisen, welche besonders hohe Energieaufwendungen erfordern und der Umwelt schaden nicht angeboten. Auch die Einhaltung von universalen Menschenrechten und die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung in die Konzeption und Durchführung von Reisen gehört zu den Ansprüchen des Verbandes.

ECOCAMPING ist ein Dienstleister welcher Campinganbieter:innen dabei unterstützt Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen zu implementieren. Darüber hinaus ist ECOCAMPING für die Auditierung und Vergabe des von der europäischen Union konzipierten Ecolabels zuständig. Dieses wurde entworfen um Verbraucher:innen eine Referenz für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen zu bieten.

Fahrtziel Natur ist eine Kooperation aus dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie der Deutschen Bahn. Ziel der Initiative ist es sensible Naturschutzräume vor übermäßigem PKW-Verkehr zu schützen und den öffentlichen Verkehr als attraktive Alternative auszubauen.

BIO HOTELS ist ein Zusammenschluss verschiedener Beherbergungsanbieter:innen welche einheitliche Nachhaltigkeitsstandards für ihre Hotels definiert haben. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten gehört die biologische Auswahl der angebotenen Speisen und Getränke, Naturkosmetik sowie der Implementierung eines Ressourcen- und Energiemanagement Systems welches darauf abzielt die CO2 Bilanz zu optimieren.

Abseits des klassischen Massentourismus ergeben sich also durchaus spannende Möglichkeiten an der Gestaltung eines nachhaltigen Tourismus mitzuwirken, der sich nicht nur an das neue ökologische Bewusstsein der Menschen anpasst, sondern auch das Potential hat Naturschutz zu fördern und sozial-ökologische Synergien zu schaffen. Wie in vielen anderen Branchen herrscht auch im Tourismussektor Fachkräftemangel, weswegen in vielen Bereichen qualifizierte Personen gesucht werden. Die Aussichten einen Job im Ökotourismus zu ergattern sind also durchaus positiv zu bewerten.